Der Schatz von Bloherfelde

Bloherfelde – ein weitläufiger Stadtteil in Oldenburg. Geteilt durch eine stark befahrene Straße. Seine Schätze sind seine Menschen: Alteingesessene, die die Entwicklung vom Dorf zum urbanen Stadtteil miterlebt haben. Zugezogene verschiedenster internationaler und kultureller Hintergründe. Sie alle haben ihre Geschichten, ihre Perspektiven, ihre Wege, ihre Orte im gemeinsamen Stadtteil.

Die Theaterproduktion „Der Schatz von Bloherfel.de“ sammelt diese Geschichten, fasst sie zu einer Theatererzählung zusammen und führt die Zuschauer damit auf eine Abenteuerreise durch Bloherfelde. Und der Stadtteil wird zur Theater-Welt-Bühne.

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Nashi

Original-Version:

   „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“

(Redensart nach dem 1827 erschienenen Vierzeiler „Erinnerung“ von Johann Wolfgang von Goethe)

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.“

umgetextete Version:

   „Warum Altes Land besuchen? Sieh, der NASHI wächst so nah“

(Redensart nach dem 2021 entstandenen Vierzeiler „Neue Streuobstwiese“ eines unbekannten Bloherfelder Heimatdichters)

Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, der NASHI wächst so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.“

Was ist eigentlich ein NASHI ?

Fragen wir doch mal nach: „Wer oder was ist NASHI und was hat NASHI mit dem Bürgerverein Bloherfelde zu tun?“

30.April2021 / Martin vom Bürgerverein zu Gast auf der Wiese bei seinem Patenbaum:

Heute war ich wieder mal zu Besuch beim NASHI, unserer chinesischen Kreuzung aus Apfel und Birne!

Ständig gibt’s dort Neues in Erfahrung zu bringen; und das muß der Vorstand des Bürgervereins Bloherfelde dann natürlich auch wissen, weil dort in Kürze eine Streuobstwiese entstehen soll:

Unser NASHI genießt die Frühlingssonne und treibt seine Blüten voran.

Die letzte, vertrocknete NASHI-Frucht aus 2020 hängt immer noch am Zweig bevor sie in den kommenden Tagen abgeworfen wird und der im vergangenen Jahr „gezeugte“ Nachwuchs in Form eines neuen Zweiges im unteren Stammbereich hat zum ersten Mal Blätter entwickelt.

Sehnsüchtig wartet NASHI auf seine versprochenen Obstbaum-Kumpels und träumt einstweilen davon mal so groß und stattlich zu werden wie seine alten Freunde Eiche &. Co. am Rande seiner Wiese. Seine Gäste werden mittlerweile zahlreicher – in dieser Woche wurde Meister Lampe gesichtet und so ein neumodisches E-Mobil kam ebenfalls zu Besuch vorbei. Auch der Vorstand ist herzlich eingeladen, NASHI mal zu besuchen.

Aus dem Tagebuch unseres NASHI-Baumes:

3.Oktober 2021:

Jetzt sind alle meine Apfelbirnen vom Bürgerverein abgeerntet worden. Angeblich hat sich der Vorstand des Bürgervereins von Martin – übrigens mein Pate – davon mehrere Gläser Mus kochen lassen. Soll ja lecker sein!

Meine Blätter habe ich verloren. Ich bin zwar etwas einsam auf der Wiese, ansonsten geht’s mir aber gut. Heute ist ja auch der Tag der Deutschen Einheit – also ein Grund zum Feiern. Aber mit wem? Ich bin noch immer ganz alleine auf dieser großen Wiese!

6. November 2021:

Heute tut sich endlich mal was. Die angekündigten 30 Apfel-Neusiedler sind angekommen und bringen ihre Stützpfähle sowie säckeweise Naturdünger mit. Hurra!

Und viele Menschen – sie bauen sich eine Verpflegungsstation für Kaffee und Kuchen auf – haben ihre Spaten dabei – sie buddeln 30 tiefe Löcher – und im Nu sind 30 Obstbäume eingepflanzt.

Oh, jetzt kommt sogar noch ein Migrant vom Kienpool, ein Kirschbaum. Er bekommt seinen Platz direkt neben mir. Hoffentlich verstehen wir uns gut. Nun sind wir 32!

8. Dezember 2021:

Der Neue nervt! Der Prahlhals quatscht den ganzen Tag nur über seine tollen knallroten Kirschen!

20. Dezember 2021:

Habe mich beim Bürgervereinsvorsitzenden über diesen Angeber beschwert. Mit Erfolg!

Paul hat seine Versetzung auf die Randfläche angeordnet. Über den Winter müssen wir aber wohl noch zusammen auskommen. Keine Pflanzzeit mehr!

7. März 2022:

Die Nervensäge wird endlich von Rolf und Martin ins Abseits verpflanzt. Und schon freuen sich alle. Die Harmonie ist wieder hergestellt. Selbst die Narzissen läuten und leuchten fröhlich vor sich hin. Der erste Frühling der Streuobstwiese kann kommen.

21. Juni 2022:

Einige meiner Apfelbaumfreunde haben bereits erste kleine Äpfel aus ihren Blüten entwickelt. Gelegentlich schaut mal ein Besucher aus der Nachbarschaft vom Tonweg vorbei. Wie ich aus Gesprächen mitbekommen habe soll die Wiese demnächst noch einmal gemäht werden. Mir jedenfalls steht das Gras bereits bis zum Hals. Die Insekten haben sich an der Wiese und den Wildkräutern auch schon reichlich bedient und Nektar geschlürft. Alles wächst und gedeiht; Ausfälle haben wir noch keine. 

Mein „spezieller Freund!“, der Kirschbaum hat nur wenige Früchte angesetzt – und die schnappen sich Amsel und Drossel; geschieht ihm recht, dem kleinen Gernegroß.

6. Juli 2022:

Ein Hochgefühl ganz besonderer Art – ich glaube ich habe mich total verliebt! Verrückt, in meinem Alter passiert mir sowas noch! Der Apfelbaum „Prinzessin Noble“ blinzelt immer in meine Richtung und winkt mir im Wind mit den dünnen Zweiglein zu! Hat sogar schon ’ne Biene rüber geschickt! Ist echt ’ne Süße, die kleine schlanke Prinzessin am anderen Ende der Wiese! Mein Gott, wenn ich mich bloß mal mit ihr kreuzen dürfte! Hoffentlich merkt die alte Kirsche nix …

20. August 2022:

Was ist das für ein Rascheln unter mir im hohen Gras? Und da schmatzt doch jemand! Ganz geheuer ist mir das nicht – was hat das zu bedeuten?

25. August 2022:

Heute sehe ich eine stachelige Kugel auf der Wiese. Und jetzt bewegt sie sich – heraus kommt eine freche spitze Schnute und ein munteres Augenpaar! Es erscheint ein stattlicher Igel, der mit genießerischem Schmatzen die Nacktschnecke auf dem Fallobst vertilgt!

20. September 2022:

Was ist das für ein Lärm? Vom Kleingartengelände her nähert sich ein motorisiertes Monstrum! Oh je, es nähert sich unserer Wiese und hat vorne scharfe Messer dran! Ich habe Schiss, dass es uns Bäumen an den Kragen geht. Wenn ich mich doch nur im hohen Gras der Wiese verstecken könnte! In Orange gekleidete Arbeiter begleiten das Teil. Und siehe da: Nur das hohe Gras muss weichen – es wird gemäht! Puh, Glück gehabt – uns Bäumen passiert nix und im Nu liegt das Gras uns zu Füßen und kann vor sich hin mulchen. Prima, dann trocknet unsere Erde nicht so schnell aus und die Kleinlebewesen wie Asseln und Co. können mit ihrer Arbeit beginnen um das Schnittgut zu kompostieren. Wir Bäume freuen uns über den entstehenden Naturdünger.

15. Oktober 2022:

Die Zwei kenne ich! Sivia und Martin kommen auf Wochenendbesuch auf unsere Wiese und gehen von Baum zu Baum. Freundlich begrüßen sie jeden Einzelnen von uns. Halt, da oben auf dem kleinen Hügel scheint was nicht in Ordnung zu sein. Was ist da los? An der höchsten Stelle steht meine Freundin, der Apfelbaum Prinzessin Noble. Sie hat leider den trockenen Sommer nicht überstanden und ist wohl verdurstet! Ihre Wurzeln haben nicht genügend Wasser bekommen. Wir alle sind traurig – aber Prinzessin Nobles Stelle soll demnächst ein Neuankömmling einnehmen, damit wir wieder komplett sind!

 

1. Januar 2023:

Welch ein Lärm heute Nacht! Wer wagt es, unseren Winterschlaf zu stören? Silvesterfeuerwer, muss das denn wirklich sein? 2 Jahre war es über den Jahreswechsel schön ruhig – nun scheint es umso heftiger zu knallen! Da öffnen sich ja vor Schreck die ersten Blatknospen.